Erste Hilfe bei Knochenbrüchen und Gelenkverletzungen

… und was das „REH“ damit zu tun hat

Beim Sport, bei Freizeitaktivitäten oder im Alltag kann es schnell passieren: Wir knicken um, stürzen auf die Hand oder stoßen uns heftig. Manchmal ist es eine Prellung. Manchmal sind Bänder verletzt, ein Gelenk ausgerenkt oder ein Knochen gebrochen.

In diesem Artikel schauen wir uns an, wie Knochen und Gelenke aufgebaut sind, welche Verletzungen dabei entstehen können und was wir als Ersthelferinnen und Ersthelfer tun können. Dabei klären wir die Begriffe Kontusion, Distorsion, Luxation und Fraktur und wie uns die REH-Regel beim helfen unterstützt.



Ein kurzer Blick auf den Aufbau von Gelenken

Knochen können auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden sein: fest über Knochengewebe, wenig beweglich über Knorpel oder beweglich über ein Gelenk. Bei einem beweglichen Gelenk treffen zwei Knochenenden aufeinander: eines näher am Körperstamm, das proximale, und eines weiter vom Körperstamm entfernte, das distale Knochenende.

Die Gelenkflächen sind mit einer glatten Knorpelschicht überzogen. Sie schützt die Knochenenden und hilft dabei, dass sie bei Bewegung nicht direkt aufeinanderreiben. Zwischen den Gelenkflächen befindet sich Gelenkflüssigkeit. Sie unterstützt das Gleiten der Flächen. Die Gelenkkapsel umschließt das Gelenk und hält die Flüssigkeit dort, wo sie gebraucht wird.

Ein Vergleich mit dem Auto kann helfen: Der Knorpel ist die glatte Gleitfläche, die Gelenkflüssigkeit übernimmt eine Art Schmierfunktion, und die Gelenkkapsel erinnert an eine Achsmanschette, die das Schmierfett an Ort und Stelle hält. Der Vergleich ist nicht ganz genau, aber er macht die Aufgaben der einzelnen Strukturen anschaulich.

Damit sich das Gelenk bewegen kann, verlaufen Muskeln darüber hinweg. Über Sehnen sind die Muskeln an den Knochen befestigt. Bänder und die Gelenkkapsel geben dem Gelenk Halt und begrenzen Bewegungen, die ihm schaden könnten.

Bei einer Gewalteinwirkung kann jede dieser Strukturen betroffen sein: die Haut und das Gewebe rundherum, die Gelenkkapsel, Bänder, Sehnen, Knorpel oder sogar der Knochen selbst. Manchmal sind mehrere Strukturen gleichzeitig verletzt.


Prellung oder Kontusion: wenn Gewebe gequetscht wird

Eine Prellung, medizinisch Kontusion genannt, entsteht zum Beispiel, wenn wir hart aufkommen oder beim Ballsport einen Schlag abbekommen. Durch den Aufprall werden Gewebeschichten zusammengedrückt. Dabei können kleine Blutgefäße verletzt werden, sodass Blut ins umliegende Gewebe austritt. Das kann schmerzen und eine Schwellung oder einen Bluterguss verursachen. Auch ein Gelenk selbst kann geprellt werden.

Der Begriff „Prellung“ beschreibt zunächst, wie die Verletzung entstanden ist. Er sagt allein noch nicht sicher, welche Strukturen betroffen sind oder wie schwer die Verletzung ist. Das gilt auch für die anderen Begriffe, die wir uns gleich anschauen.


Verstauchung oder Distorsion: wenn das Gelenk überdehnt wird

Eine Distorsion, umgangssprachlich Verstauchung, entsteht, wenn ein Gelenk durch eine Bewegung über seinen normalen Bewegungsumfang hinaus belastet wird – etwa beim Umknicken. Dabei können Bänder und Gelenkkapsel überdehnt werden oder einreißen. Auch Blutgefäße können betroffen sein, sodass das Gelenk anschwillt.

Typisch sind plötzlich auftretende Schmerzen und eine eingeschränkte oder schmerzhafte Bewegung. Das Gelenk kann aber noch teilweise beweglich sein. Aus der Beweglichkeit allein lässt sich deshalb nicht sicher ableiten, wie schwer die Verletzung ist.


Verrenkung oder Luxation: wenn Gelenkflächen verschoben bleiben

Bei einer Luxation, also einer Verrenkung, werden die Gelenkflächen so gegeneinander verschoben, dass sie nicht von selbst in ihre normale Stellung zurückkehren. Das Gelenk kann sichtbar verändert sein und in einer ungewöhnlichen Haltung stehen. Meist bestehen starke Schmerzen.

Eine Luxation muss ärztlich behandelt werden. Versuchen Sie niemals, das Gelenk selbst einzurenken. Lassen Sie es in der vorgefundenen Position, stützen Sie es vorsichtig und holen Sie medizinische Hilfe.


Knochenbruch oder Fraktur: woran kann ich ihn erkennen?

Eine Fraktur ist ein Knochenbruch. Bei einem geschlossenen Bruch ist die Haut nicht verletzt. Bei einem offenen Bruch gibt es zusätzlich eine Wunde im Bereich des Bruchs. Manchmal ist dabei Knochen sichtbar.

Ein Bruch kann starke Schmerzen, Schwellung und eingeschränkte Beweglichkeit verursachen. Es kann auch eine Fehlstellung zu sehen sein – sie muss aber nicht auftreten. Gerade bei Kindern kann ein Knochen teilweise brechen, ohne dass es von außen deutlich erkennbar ist.

Frakturzeichen können einen Verdacht stützen. Sie ermöglichen Laien aber keine sichere Diagnose. Auch eine starke Prellung kann ähnliche Beschwerden verursachen. Umgekehrt kann ein Knochen gebrochen sein, ohne dass sichere Frakturzeichen sichtbar sind.

Unsichere FrakturzeichenSichere Frakturzeichen
Schmerzen an der verletzten StelleSichtbare Knochenstücke in einer Wunde
Schwellung oder BlutergussDeutliche Fehlstellung des Knochens
DruckschmerzUngewöhnliche Beweglichkeit an einer Stelle, an der kein Gelenk ist
Eingeschränkte oder schmerzhafte BewegungReibegeräusche oder fühlbares Knirschen der Knochenenden
Schonhaltung oder die betroffene Stelle wird nicht belastet

Bitte versuchen Sie nicht, ungewöhnliche Beweglichkeit oder ein Knirschen gezielt zu prüfen. Das kann Schmerzen verstärken und die Verletzung verschlimmern. Bei einem entsprechenden Verdacht gilt: die Stelle möglichst wenig bewegen und medizinische Hilfe holen.


Grünholzfraktur bei Kindern: ein unvollständiger Knochenbruch

Kinderknochen sind noch elastischer als die Knochen von Erwachsenen. Bei einem Sturz oder einer Stauchung kann ein Knochen deshalb unvollständig brechen: Eine Seite des Knochens gibt nach und bricht, während die andere Seite teilweise erhalten bleibt. Das ähnelt einem jungen, grünen Ast, der sich biegt und auf einer Seite einreißt – daher der Name Grünholzfraktur.

Von außen ist eine solche Verletzung nicht immer deutlich zu erkennen. Es kann lediglich eine schmerzhafte Stelle oder eine leichte Schwellung auffallen. Das Kind belastet den Arm oder das Bein vielleicht weniger, hält es ruhig oder hinkt. Auch wenn keine klare Fehlstellung sichtbar ist, sollte anhaltender Schmerz nach einem Sturz ärztlich abgeklärt werden.

Bis dahin: Halten Sie die Stelle möglichst ruhig und bequem, beruhigen Sie das Kind und versuchen Sie nicht, den Knochen zu bewegen oder auszurichten. Bei Bedarf können Sie vorsichtig mit einem Tuch zwischen Haut und Kältepackung kühlen.chten. Bei Bedarf können Sie vorsichtig mit einem Tuch zwischen Haut und Kältepackung kühlen.


Die REH-Regel: Erste Hilfe bei Knochenbruch und Co.

Als Ersthelferinnen und Ersthelfer müssen wir nicht selbst feststellen, ob ein Band gerissen oder ein Knochen gebrochen ist. Wir können die betroffene Stelle schonen, Beschwerden lindern und bei Bedarf medizinische Hilfe holen.

R – Ruhigstellen

Beenden Sie die Aktivität und entlasten Sie die verletzte Stelle. Unterstützen Sie Arm oder Bein in der Position, die für die betroffene Person am angenehmsten ist. Bewegen Sie es möglichst wenig. Versuchen Sie nicht, eine Fehlstellung zu korrigieren oder ein Gelenk einzurenken.

Bei Verdacht auf einen Knochenbruch sollte die Person möglichst wenig bewegt werden. Muss sie wegen einer unmittelbaren Gefahr bewegt werden, gehen Sie besonders vorsichtig vor. Eine provisorische Ruhigstellung darf nicht drücken und sollte die Verletzung nicht verschlimmern.

E – Eis darauf legen

Kälte kann Schmerzen lindern. Legen Sie Eis oder eine Kältepackung nie direkt auf die Haut. Wickeln Sie sie in ein Tuch oder legen Sie eine Stoffschicht dazwischen. Kühlen Sie vorsichtig und beobachten Sie die Haut. Unterbrechen Sie die Kühlung, wenn die Haut stark schmerzt, taub wird oder sich auffällig verfärbt.

Verwenden Sie kein Eisspray: Zu nahes oder zu langes Aufsprühen kann die Haut schädigen. Eisspray gehört außerdem nicht auf offene Wunden.

H – Hochlagern

Wenn es angenehm ist und keine stärkeren Schmerzen verursacht, lagern Sie den verletzten Arm oder das Bein hoch. Das kann helfen, die Schwellung zu begrenzen. Zwingen Sie die betroffene Person nicht in eine Position, die Schmerzen verstärkt. Bei einer deutlichen Fehlstellung oder dem Verdacht auf einen schweren Bruch sollten Sie die verletzte Stelle nicht für das Hochlagern bewegen. Stützen Sie sie stattdessen möglichst bequem in der vorgefundenen Position.

Wann ist weitere Hilfe nötig?

Bei Verdacht auf einen Knochenbruch, einer Verrenkung, einer offenen Wunde oder einer deutlichen Fehlstellung sollte die Verletzung ärztlich abgeklärt werden. Das gilt auch bei starken Schmerzen, zunehmender Schwellung oder wenn Hand oder Fuß auffällig blass, kalt, taub oder kribbelig werden.

Rufen Sie bei einer schweren Verletzung, bei deutlichen Durchblutungs- oder Gefühlsstörungen oder wenn ein sicherer Transport nicht möglich ist den Rettungsdienst unter 112.

Bei einem offenen Bruch decken Sie die Wunde möglichst keimarm ab. Drücken Sie nicht auf sichtbare Knochenteile und versuchen Sie nicht, diese zurückzuschieben. Betreuen Sie die verletzte Person, halten Sie sie warm und bleiben Sie bei ihr, bis weitere Hilfe eintrifft.

Das Ampelsystem für Notruf oder ambulante ärztliche Abklärung von Knochen- und Gelenkverletzungen?

Das Wichtigste zum Mitnehmen

Eine Prellung, Verstauchung, Verrenkung und ein Bruch können sich teilweise ähnlich bemerkbar machen. Sie müssen nicht herausfinden, welche Struktur genau verletzt ist. Ruhigstellen, vorsichtig kühlen und – wenn es angenehm ist – hochlagern kann die betroffene Person unterstützen. Bei ernsten Anzeichen holen Sie medizinische Hilfe.

Mehr Infos zu allen Themen der Ersten Hilfe finden Sie im Erste-Hilfe-Handbuch der DGUV.

Sie möchten Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht nur nachlesen, sondern praktisch üben?
Entdecken Sie meine Erste-Hilfe-Kurse für Privatpersonen oder betriebliche Ersthelfende.

Das könnte dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert