Wenn der Körper überreagiert — Was du zur Lebensmittel-Allergie wissen solltest
Von Yvonne Lucke, Gesundheitspädagogin B.A., Gesundheitsakademie Karlsbad
Eine Nahrungsmittelallergie kann innerhalb weniger Minuten zu einer lebensbedrohlichen Anaphylaxie (allergischer Schock) führen. Typische Symptome sind Juckreiz, Schwellungen, Atemnot oder Kreislaufprobleme. In diesem Artikel erfährst du, wie eine allergische Reaktion entsteht, woran du eine Anaphylaxie erkennst und was im Notfall zu tun ist.
Im Alltag passiert das oft völlig unerwartet – beim Grillen mit Freunden, beim Kindergeburtstag oder im Restaurant. Genau so beginnt auch unsere Geschichte:
Du sitzt mit Freunden beim Essen. Plötzlich beginnt Manus Gesicht zu jucken. Er sagt, seine Zunge fühle sich pelzig an, und vor deinen Augen schwellen seine Lippen an. Am ganzen Körper zeigen sich Quaddeln, die Haut ist gerötet. Plötzlich klagt er über Schwindel und Bauchkrämpfe, würgt und erbricht sich. Manu hustet stark, ist heiser und kurzatmig. Ursache: Eine kleine Menge Grillsoße mit Paprika. Auf den ist Manu allergisch. Beim Hin- und Hertauschen der Soßen hat er die falsche Flasche erwischt.
Manu ist mit seiner Nahrungsmittelallergie nicht allein. Rund 4% der Bevölkerung (Schätzungen liegen zwischen 1-10%) leiden an Nahrungsmittelallergien.
Was Manu hier erlebt, ist eine allergische Reaktion und diese kann innerhalb von Minuten eskalieren. Damit du weißt was passiert und was zu tun ist, erkläre ich heute, wie Allergien entstehen, wie sie verlaufen und worauf es in den ersten Minuten wirklich ankommt.

Inhaltsverzeichnis
Allergien kennen kein Alter
Allergien verteilen sich über alle Altersklassen und Bevölkerungsschichten. Was sich unterscheidet, ist der typische Auslöser: Bei Kindern stehen Nahrungsmittelallergien klar im Vordergrund, gefolgt von Insektengiften und Medikamentenallergien. Bei Erwachsenen sieht das Bild anders aus — hier sind Insektengift häufig an erster Stelle, dann Medikamente und ebenfalls Nahrungsmittel.
Ein wichtiger Unterschied: Kinder reagieren oft direkt auf einen Stoff — man spricht von einer Immunglobulin E (IgE)-vermittelten Reaktion auf bestimmte Stoffe. Bei Erwachsenen sind es häufiger pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien, sogenannte Kreuzallergien. Ein bekanntes Beispiel aus dem Alltag: Wer auf Birkenpollen allergisch ist, reagiert oft auch auf Äpfel. Der Körper verwechselt ähnliche Eiweißstrukturen miteinander.
Was im Körper passiert
Bei einer Allergie passiert im Grunde etwas ziemlich Paradoxes: Das Immunsystem richtet seine volle Abwehrkraft gegen einen Stoff, der eigentlich völlig harmlos ist. Pollen, Tierhaare oder bestimmte Lebensmittel wären normalerweise keine Bedrohung – doch der Körper bewertet sie fälschlicherweise als gefährlich.
Der erste Kontakt: Sensibilisierung statt Reaktion
Beim ersten Kontakt mit dem Allergen läuft meist noch keine sichtbare allergische Reaktion ab. Stattdessen beginnt im Hintergrund ein entscheidender Prozess: das Immunsystem wird „sensibilisiert“.
Dabei bildet der Körper spezifische IgE-Antikörper (Immunglobulin E) gegen genau diesen Stoff. Diese Antikörper bleiben nicht frei im Blut, sondern setzen sich unter anderem auf sogenannte Mastzellen, wichtige Zellen des Immunsystems, die in Haut, Schleimhäuten und Gewebe verteilt sind.
Man könnte sagen: Die Mastzellen werden dadurch auf „Alarmbereitschaft“ gesetzt.
Der zweite Kontakt: Die eigentliche allergische Reaktion
Kommt der gleiche Stoff erneut in den Körper, erkennt das Immunsystem ihn über die auf den Mastzellen sitzenden IgE-Antikörper sofort wieder.
Das Allergen vernetzt diese Antikörper auf der Oberfläche der Mastzellen – ein entscheidender Auslöser, der die Zellen aktiviert. In der Folge schütten sie eine Vielzahl von Botenstoffen aus, allen voran Histamin.
Histamin: Ursache der typischen Symptome
Histamin ist der Hauptverantwortliche für die typischen Beschwerden einer Allergie. Es führt unter anderem zu:
- Juckreiz und Hautrötungen
- Schwellungen
- laufender Nase und tränenden Augen
- Verengung der Atemwege
Damit erklärt sich auch, warum Allergien sich so unterschiedlich äußern können – je nachdem, welche Organe betroffen sind und wie stark die Reaktion ausfällt.
Von harmlos bis gefährlich
In vielen Fällen bleiben allergische Reaktionen mild und zwar unangenehm, aber nicht lebensgefährlich. Sie können jedoch auch deutlich schwerer verlaufen.
Wenn das Immunsystem sehr stark reagiert und große Mengen an Botenstoffen freigesetzt werden, kann es zu einer systemischen Reaktion kommen – im schlimmsten Fall zu einer Anaphylaxie, einem medizinischen Notfall, der den gesamten Kreislauf betreffen kann.
Die vier Grade der schweren allergischen Reaktion
Grad 1 — Mild
Was viele kennen: laufende Nase, tränende Augen, Juckreiz, Hautrötung, kleine Quaddeln wie nach dem Kontakt mit Brennnesseln — medizinisch Urtikaria oder Nesselsucht genannt. Besonders bei Kindern fällt auf, dass sie sich nach dem Essen an den Handflächen, Fußsohlen oder im Schrittbereich kratzen. Oder sie beschreiben, dass sich die Zunge, der Gaumen oder die Hände kribbelig und pelzig anfühlen — „wie Ameisen“. Das ist ein wichtiges Frühzeichen, das Eltern und Betreuungspersonen kennen sollten.
Grad 2 — Mittelgradig
Jetzt wird es ernster. Es kommt zu Heiserkeit, Husten und einem Verkrampfen der Bronchien — ähnlich wie beim Asthmaanfall. Die Ausatmung wird pfeifend und erschwert, Kurzatmigkeit setzt ein. Schwellungen im Mund- und Rachenraum können auftreten. Kinder werden unruhig und ängstlich, ohne genau sagen zu können warum — sie spüren nur: „Irgendwas stimmt nicht.“ Dazu kommt Herzklopfen, der Blutdruck fällt leicht ab. Ab diesem Grad treten auch Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfall auf.

Grad 3 — Schwer
Der Kreislauf bricht ein. Wir sprechen jetzt von einer Schocksymptomatik. Es kommt zu massiver Atemnot, Lippen, Ohrläppchen und Fingernägel färben sich bläulich — das nennt man Zyanose. Die Betroffenen werden zunehmend benommen, schläfrig, apathisch. Das ist ein medizinischer Notfall.
Grad 4 — Lebensbedrohlich
Atem- und Kreislaufstillstand. Notruf und sofortige Reanimation sind jetzt zwingend notwendig.
Was tun bei einer allergischen Reaktion?
Sofort: Exposition stoppen und eventuell Kontaktstellen waschen
Wenn jemand auf ein Lebensmittel reagiert, muss das Essen sofort aufhören. Sowohl die betroffene Person als auch der Helfer sollten sich anschließend gründlich die Hände waschen und das Gesicht mit einem feuchten Tuch abwischen — damit keine Allergenreste über Schleimhäute weiter aufgenommen werden. Gerade bei Kindern passiert das schnell: Finger ablecken, juckende Augen reiben, denn so können weitere Allergene in den Körper gelangen.
Und noch etwas: Auch kleinste Mengen können lebensbedrohliche Reaktionen auslösen. Besonders heimtückisch sind Erdnüsse. Hier reichen Minimengen im Mikrogramm-Bereich aus, die zum Beispiel während der Produktion von Lebensmitteln am Produktionsband verblieben sind (Kennzeichnung: Kann Spuren von Erdnuss enthalten).
Notruf 112 bei allergischer Reaktion – wann muss ich anrufen?
Bei einer vermuteten Anaphylaxie sollte grundsätzlich der Notruf 112 gewählt werden – auch wenn die Symptome zunächst leicht erscheinen oder sich nach der Gabe von Notfallmedikamenten bessern. Allergische Reaktionen können sich dynamisch verändern und in Wellen erneut auftreten (biphasischer Verlauf). Daher ist eine rettungsdienstliche Abklärung im Krankenhaus in der Regel erforderlich.
Ausnahme:
Bei ausschließlich leichten, lokal begrenzten Hautreaktionen ohne weitere Symptome (z. B. nur kleine Quaddeln oder leichter Juckreiz) und stabilem Allgemeinzustand kann zunächst beobachtet werden. Treten jedoch zusätzliche Symptome auf (Atemwege, Kreislauf, Magen-Darm), muss sofort der Notruf 112 erfolgen.
Die richtige Lagerung bei der allergischen Reaktion erfolgt nach Hauptsymptom
Steht die Atemnot im Vordergrund: enge Kleidung öffnen, Oberkörper erhöht lagern. Falls ein Notfall-Spray vorhanden ist, bei der Einnahme unterstützen. Zusätzlich helfen Atemhilfen wie die Lippenbremse, die Torwarthaltung oder der Kutschersitz.
Steht das Kreislaufproblem im Vordergrund, also Schwindel, Herzrasen, niedriger Blutdruck, sollten Sie die Person flach lagern.
Bei einer Kombination aus Atemnot und Kreislaufproblemen einfach fragen, was angenehmer ist. Was nicht hilft: Oberkörper und Beine gleichzeitig hochlagern.
Wird die Person bewusstlos, atmet aber noch: stabile Seitenlage. Hört die Atmung auf: sofort mit der Wiederbelebung beginnen.
Notfallmedikamente bei Anaphylaxie geben
Betroffene mit bekannter Allergie haben in der Regel ein Notfallset dabei. Darin sind ein Antihistaminikum und ein Kortisonpräparat. Beides sollte umgehend, auch bei einer leichten Reaktion, eingenommen werden. Die meisten Betroffenen haben außerdem einen individuellen Notfallplan — darin steht genau, welche Medikamente in welcher Reihenfolge zu geben sind.
Bei schweren allergischen Reaktionen: der Notfallpen
Wer bereits einen lebensbedrohlich schweren allergischen Verlauf hatte, trägt meistens zusätzlich einen Notfallpen (bekannte Produkte: EpiPen oder FastCheck).
Neben dem klassischen Adrenalinautoinjektor steht inzwischen auch ein Adrenalin-Nasenspray (EURneffy®) als alternative Darreichungsform zur Verfügung. Beide dienen der schnellen Gabe von Adrenalin im Notfall und werden nach dem individuellen Notfallplan eingesetzt.
Adrenalin ist ein körpereigenes Hormon, dass unser Körper bei Stress ausschüttet. Adrenalin wirkt direkt gegen die Allergiesymptome: Schwellungen in Gesicht und Atemwegen gehen zurück, die Bronchien öffnen sich wieder, der Blutdruck steigt, der Kreislauf normalisiert sich.
Es ist bei schweren Reaktionen das wichtigste Notfallmittel — wichtiger als Antihistaminikum, Kortison oder die richtige Lagerung. Im Rettungsdienst erleben wir immer wieder, dass Betroffene oder Angehörige aus Angst zu lange warten, bevor sie den Adrenalin-Autoinjektor einsetzen. Dabei ist gerade hier das frühe Handeln entscheidend!
Wann den Notfallpen / das Nasenspray geben?
Der Pen / das Nasenspray kommt zum Einsatz, sobald eines dieser Zeichen auftritt:
– Plötzliche Heiserkeit, pfeifende Atmung oder Atemnot
– Bewusstlosigkeit
– Gleichzeitiges Auftreten von Symptomen an mindestens zwei verschiedenen Organsystemen, also zum Beispiel Bauchkrämpfe und Hautreaktion, oder Atemnot und Schwindel, oder Übelkeit und Quaddeln
– Jede Reaktion — auch eine leichte — wenn der Kontakt mit einem bekannten, persönlichen Auslöser sicher ist
Dieser letzte Punkt ist besonders wichtig: Wenn jemand weiß, dass er auf Erdnüsse oder ein bestimmtes Medikament anaphylaktisch reagiert, und hat gerade genau das zu sich genommen — dann nicht abwarten bis die Symptome schlimmer werden. Dann Pen raus.
Und die gute Nachricht: Man kann dabei fast nichts falsch machen. Selbst wenn das Adrenalin zu früh gegeben wird, kann das im schlimmsten Fall für ein bisschen Herzklopfen sorgen — mehr nicht. Dazu baut der Körper Adrenalin sehr schnell wieder ab. Das Risiko, es unnötig oder zu früh zu geben, ist minimal. Das Risiko, dass es zu lebensbedrohlichen Störungen gibt, ist bei zu später Gabe wesentlich größer.
So wird der Anaphylaxie-Notfallpen angewendet:
Den Pen aus der Schutzhülle nehmen und fest in die Faust schließen — alle fünf Finger um den Schaft.
Auf einer Seite befindet sich ein Sicherungsstift: diesen herausziehen.
Dann den Pen mit der gegenüberliegenden Seite aus etwa zehn Zentimetern Entfernung seitlich gegen den Oberschenkel drücken — mit gestrecktem Arm, fest und direkt.
Es braucht keine Auslösetaste: Der Pen löst durch den Druck automatisch aus, erkennbar an einem Klickgeräusch.
Den Pen etwa zehn Sekunden an der Stelle halten, dann abnehmen und die Einstichstelle großflächig massieren.
Wichtig: Weder den Pen noch andere eingenommene Notfallmedikamente wegwerfen. Die leeren Verpackungen aufbewahren, damit der Rettungsdienst sofort sehen kann, was bereits gegeben wurde.

Auf diese Lebensmittel wird am häufigsten allergische reagiert: die 14 Hauptallergene
Die gesetzliche Kennzeichnungspflicht gilt für verpackte und offen verkaufte Lebensmittel im gewerblichen Bereich, z.B. beim Bäcker, im Restaurant oder am Buffet eines Cateringunternehmens. Für Vereine gilt das nur dann, wenn der Verkauf gewerbliche Ausmaße annimmt, etwa bei wöchentlichem Essensverkauf nach dem Training oder im Spielbetrieb. Beim klassischen Vereinsfest oder Kuchenbasar greift die Pflicht formal nicht — trotzdem empfehle ich, Zutaten transparent auszuweisen. Im Zweifel schützt das Leben.
Die 14 Hauptallergene, die gekennzeichnet werden müssen:

- Glutenhaltiges Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut und Hybridstämme)
- Fisch
- Krebstiere
- Eier
- Erdnüsse
- Sojabohnen
- Milch und laktosehaltige Milchprodukte
- Schalenfrüchte (Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Cashews, Pecanüsse, Paranüsse, Pistazien, Macadamianüsse)
- Sellerie
- Senf
- Sesamsamen
- Schwefeldioxid und Sulphite
- Lupine
- Weichtiere
Wichtig ist: das sind die Allergene, auf die eine große Anzahl von Menschen allergisch reagieren. Aber es sind nicht alle! Auch nicht genannte Lebensmittel wie zum Beispiel Gewürze oder exotische Früchte, aber auch heimisches Obst wie Äpfel oder Gemüsesorten können schwere allergische Reaktionen auslösen.
Prävention: Sicherheit geht vor
Wer weiß, dass jemand eine Allergie hat, trägt Verantwortung. Das klingt streng — ist aber buchstäblich eine Frage von Leben und Tod.
Gerade in der Gastronomie bekomme ich auf Nachfrage nach Allergenen regelmäßig die Antwort: „Ich weiß es nicht, soll ich in der Küche nachfragen?“, oder „ich glaube nicht, wäre es denn arg schlimm?“. Im Zweifel gilt hier: immer nachfragen oder falls das nicht möglich ist auf sichere Alternativen verweisen.
Wer Kuchen in die Schule oder Kita mitbringt, sollte kurz die Zutaten aufschreiben: Mehl, Butter, Eier, Zucker, Haselnüsse, Milchschokolade. Kein vollständiges Rezept, keine Mengenangaben — nur die Inhaltsstoffe. So kann im Zweifel sofort nachgesehen werden.
Bei Vereinsfesten empfehle ich eine einfache, aber effektive Methode: Nummernfähnchen für die verschiedenen Kuchenspenden verwenden und die dazugehörigen Zutatenlisten in einem Ringbuch sammeln und durchnummerieren. Kommt eine Nachfrage, kann sofort nachgesehen werden — ohne Raten, ohne „Das wird schon passen.“ Im schlimmsten Fall spielt man mit Menschenleben. Sicherheit hat hier absolut Vorrang.
Häufige Fragen zu Nahrungsmittelallergie und Anaphylaxie
Was ist eine Nahrungsmittelallergie?
Eine Nahrungsmittelallergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Proteine in Lebensmitteln. Bereits kleinste Mengen können Symptome wie Hautreaktionen, Atemprobleme oder Kreislaufbeschwerden auslösen.
Was ist der Unterschied zwischen Allergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit?
Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem und es kann zu schweren, lebensbedrohlichen Reaktionen kommen. Eine Unverträglichkeit ist meist eine Verdauungsstörung und nicht gefährlich, z. B. Laktoseintoleranz.
Welche Lebensmittel verursachen am häufigsten eine Nahrungsmittelallergie?
Häufige Auslöser sind Erdnüsse, Baumnüsse, Milch, Eier, Fisch, Weizen, Soja, Sesam und Krebstiere. Diese gehören zu den wichtigsten allergenen Lebensmitteln in Europa.
Was ist eine Anaphylaxie (allergischer Schock)?
Eine Anaphylaxie ist die schwerste Form einer allergischen Reaktion. Sie kann innerhalb von Minuten auftreten und mehrere Organe betreffen. Umgangssprachlich wird sie oft als „allergischer Schock“ bezeichnet.
Woran erkenne ich einen allergischen Schock?
Typische Symptome sind Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Rachen, Kreislaufprobleme, Schwindel, Hautausschlag und im schlimmsten Fall Bewusstlosigkeit oder Kreislaufstillstand.
Was tun bei einer Anaphylaxie?
Sofort den Kontakt zum Allergen stoppen, den Notruf 112 wählen und den Adrenalin-Autoinjektor anwenden, falls vorhanden. Die betroffene Person darf nicht allein gelassen werden.
Wann muss ich den Notruf 112 wählen?
Sofort bei Atemnot, Kreislaufproblemen, Bewusstseinsstörungen oder wenn mehrere Organsysteme betroffen sind. Auch bei Unsicherheit sollte der Notruf gewählt werden.
Was ist ein Adrenalin-Autoinjektor?
Ein Adrenalin-Autoinjektor ist ein Notfallmedikament zur Selbstinjektion. Es wird bei Anaphylaxie eingesetzt und kann lebensrettend sein.
Wann muss ich den Adrenalin-Autoinjektor benutzen?
Bei ersten Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion wie Atemnot, Kreislaufproblemen oder rasch zunehmenden Symptomen sollte der Autoinjektor sofort angewendet werden.
Was gehört in ein Allergie-Notfallset?
Ein Notfallset enthält in der Regel einen Adrenalin-Autoinjektor, ein Antihistaminikum und ein Kortisonpräparat. Zusätzlich kann ein Asthmaspray enthalten sein.
Kann schon eine kleine Menge Allergene gefährlich sein?
Ja. Bei schweren Allergien können bereits Spuren eines Allergens eine starke oder lebensbedrohliche Reaktion auslösen.
Wie wird eine Nahrungsmittelallergie festgestellt?
Durch eine Kombination aus Anamnese, Hauttests, Bluttests und ggf. einem kontrollierten Provokationstest beim Allergologen.
Kann eine Nahrungsmittelallergie wieder verschwinden?
Manche Allergien (z. B. Milch oder Ei im Kindesalter) können verschwinden, andere bleiben meist lebenslang bestehen (z. B. Nüsse) oder entwickeln sich erst im Laufe des Lebens.
Was sollten Eltern von Kindern mit Nahrungsmittelallergie beachten?
Eltern sollten Betreuungspersonen, Schule oder Kindergarten informieren, einen individuellen Notfallplan bereitstellen und dafür sorgen, dass das Notfallset jederzeit verfügbar ist. Auch das Kind sollte altersgerecht im Umgang mit seiner Allergie geschult werden.
Darf ich trotz Nahrungsmittelallergie essen gehen oder verreisen?
Ja. Mit einer guten Vorbereitung ist dies meist problemlos möglich. Informieren Sie das Restaurant über Ihre Allergie, prüfen Sie Zutaten sorgfältig und führen Sie Ihr Notfallset immer mit sich.
Wie erkenne ich versteckte Allergene in Lebensmitteln?
In der EU müssen die 14 Hauptallergene gekennzeichnet werden. Für alle anderen hilft ein Blick auf die Zutatenliste. Diese sollte auch bei bekannten Produkten regelmäßig geprüft werden, da Rezepturen sich ändern können.
Was sollte nach einer Anaphylaxie passieren?
Nach jeder schweren allergischen Reaktion sollte eine ärztliche Kontrolle erfolgen. Anschließend empfiehlt sich eine allergologische Nachsorge, um den Auslöser zu bestimmen, den Notfallplan zu aktualisieren und die Anwendung des Notfallsets zu überprüfen.
Kann man einer Nahrungsmittelallergie vorbeugen?
Eine sichere Vorbeugung gibt es derzeit nicht. Bei Säuglingen empfehlen Fachgesellschaften früh, geeignete Beikost einschließlich potenzieller Allergene altersgerecht einzuführen
Das Wichtigste auf einen Blick
- Allergische Reaktionen verlaufen in 4 Graden — von Juckreiz bis Kreislaufstillstand
- Immer Notruf 112 absetzen — auch bei leichter Reaktion
- Exposition sofort stoppen, Hände waschen
- Notfallmedikamente (Antihistaminikum + Kortison) sofort geben
- Notfallpen bei Atemnot, Bewusstlosigkeit oder zwei Organsystemen betroffen
- Notfallpen: Kappe ab → fest gegen Oberschenkel drücken → Klick → 10 Sekunden → massieren
- 14 Hauptallergene müssen im gewerblichen Bereich gekennzeichnet werden
- Leere Verpackungen aufbewahren für den Rettungsdienst
Wissen über Allergie und Anaphylaxie schützt
Eine Anaphylaxie entwickelt sich oft innerhalb weniger Minuten – doch genau diese Minuten entscheiden. Wer Symptome erkennt, den Adrenalin-Autoinjektor richtig einsetzt und früh den Rettungsdienst alarmiert, kann Leben retten.
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Quellenangaben
S2k-Leitlinie Akuttherapie und Management der Anaphylaxie
