Panikattacke erkennen und wirksam Erste Hilfe leisten
Erste Hilfe bei Panikattacken
Warum eine Ohrfeige nicht hilft – und was du stattdessen tun kannst
Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Todesangst: Eine Panikattacke kann sich anfühlen wie ein lebensbedrohlicher Notfall. Was passiert dabei im Körper? Warum sind manche gut gemeinten Ratschläge keine Hilfe? Und wie kannst du einen betroffenen Menschen sinnvoll unterstützen?
In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie Erste Hilfe bei einer vermuteten Panikattacke aussehen kann – und wo unsere Grenzen als Ersthelfende liegen.
Kurz gesagt: Bei einer vermuteten Panikattacke ruhig Kontakt aufnehmen, die Angst ernst nehmen, Reize reduzieren und fragen, was der Person hilft. Bei starken Brustschmerzen, ausgeprägter Atemnot, Bewusstseinsstörungen oder Unsicherheit gilt: 112.
„Eine Ohrfeige, dann atmet der wieder normal!“
Jemand atmet plötzlich schnell und hektisch. Die Hände zittern, die Person klagt über Schwindel und bekommt kaum noch einen Satz heraus. Vielleicht sagt sie, dass sie keine Luft bekommt oder gleich sterben muss.
Umstehende versuchen zu helfen. „Beruhig dich doch!“, sagt jemand. Ein anderer schlägt vor, eine Papiertüte zu holen. Und dann fällt dieser Satz: „Eine Ohrfeige, dann kommt der wieder zu sich.“
Solche Vorstellungen begegnen uns noch immer.
Dabei steckt hinter den Beschwerden möglicherweise eine Panikattacke. Und die lässt sich weder durch einen Schlag noch durch die Aufforderung, sich zusammenzureißen, beenden.
Um zu verstehen, was tatsächlich helfen kann, schauen wir uns zunächst an, was bei einer Panikattacke im Körper passiert.
Was passiert bei einer Panikattacke?
Unser Körper besitzt ein Alarmsystem, das uns in Gefahrensituationen schützen soll.
Stell dir vor, du gehst über eine Straße und bemerkst plötzlich ein Auto, das viel zu schnell auf dich zukommt. Noch bevor du die Situation bewusst durchdacht hast, reagiert dein Körper: Dein Herz schlägt schneller, deine Muskeln spannen sich an und deine Atmung verändert sich.
Der Körper bereitet sich darauf vor, schnell zu reagieren.
Bei einer Panikattacke wird eine ähnliche Alarmreaktion ausgelöst, obwohl möglicherweise keine entsprechende äußere Gefahr besteht.
Das bedeutet aber nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind.
Herzrasen, Atemnot, Zittern oder Schwindel sind körperlich spürbare Vorgänge. Gleichzeitig kann eine überwältigende Angst entstehen, die Kontrolle zu verlieren, ohnmächtig zu werden oder zu sterben.
Typische Beschwerden können sein:
- Herzklopfen oder Herzrasen
- Atemnot oder ein Erstickungsgefühl
- Druck oder Enge in der Brust
- Zittern und Schwitzen
- Schwindel oder Benommenheit
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle
- Übelkeit oder andere Magenbeschwerden
- das Gefühl, sich selbst oder die Umgebung als unwirklich wahrzunehmen
- starke Angst bis hin zur Todesangst
Nicht jeder Mensch erlebt alle diese Symptome.
Eine Panikattacke beginnt häufig plötzlich und erreicht innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt.
Meist klingen die Beschwerden anschließend wieder ab.
Eine Panikattacke ist in der Regel nicht lebensgefährlich. Ob die Beschwerden tatsächlich durch eine Panikattacke verursacht werden, lässt sich von außen allerdings nicht zuverlässig feststellen.
Warum kann eine Panikattacke solche körperlichen Beschwerden auslösen?
Angst und körperliche Reaktionen beeinflussen sich gegenseitig.
Wenn das körpereigene Alarmsystem aktiviert wird, verändern sich unter anderem Herzschlag, Muskelspannung und Atmung. Das Herz schlägt schneller. Die Muskulatur ist angespannt. Die Atmung kann schneller oder tiefer werden.
Manche Betroffene beginnen dabei zu hyperventilieren.
Was bedeutet Hyperventilation?
Hyperventilation bedeutet, dass jemand im Verhältnis zum aktuellen Bedarf des Körpers zu viel atmet. Das kann durch eine schnelle, aber auch durch eine ungewöhnlich tiefe Atmung geschehen.
Dabei wird vermehrt Kohlendioxid abgeatmet.
Kohlendioxid ist nicht einfach nur ein Abfallprodukt der Atmung. Es spielt unter anderem eine wichtige Rolle für die Regulation des Säure-Basen-Haushalts.
Sinkt der Kohlendioxidgehalt im Blut zu stark, steigt der pH-Wert des Blutes. Dadurch verändern sich verschiedene körperliche Vorgänge.
Unter anderem kann sich die Durchblutung des Gehirns vorübergehend verringern. Gleichzeitig verändert sich die Menge des frei verfügbaren Kalziums im Blut, wodurch Nerven und Muskeln leichter erregbar werden.
Das erklärt einige typische Beschwerden:
- Schwindel und Benommenheit:
Unter anderem durch Veränderungen der Durchblutung des Gehirns. - Kribbeln an Händen, Füßen oder im Gesicht:
Entsteht durch Veränderungen der Erregbarkeit von Nerven. - Muskelverkrampfungen:
Beispielsweise an Händen und Fingern. In ausgeprägten Fällen können sich die Hände in einer charakteristischen Beugestellung verkrampfen, der sogenannten Pfötchenstellung.
Gerade diese Beschwerden können sehr beängstigend sein.
Stell dir vor, du bekommst plötzlich schlecht Luft, deine Finger beginnen zu kribbeln und verkrampfen sich und dir wird schwindelig. Vielleicht denkst du, dass du gleich zusammenbrichst.
Die Angst kann dadurch noch größer werden. Und diese Angst kann wiederum die Atmung beeinflussen.
So kann ein Kreislauf entstehen, in dem sich körperliche Beschwerden und Angst gegenseitig verstärken.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung:
Nicht jede Panikattacke geht mit Hyperventilation einher. Und nicht jede Hyperventilation wird durch Angst ausgelöst.
Wenn jemand sagt: „Ich bekomme keine Luft“, schaue ich deshalb zuerst genau hin. Wie wirkt die Person? Sind Lippen, Ohrläppchen oder Nagelbetten rosig oder bläulich verfärbt? Eine Zyanose, also eine bläuliche Verfärbung, wäre für mich ein Warnzeichen und passt nicht zu einer reinen Hyperventilation. Gleichzeitig achte ich darauf, ob typische Zeichen einer Hyperventilation auftreten, zum Beispiel Kribbeln oder eine Pfötchenstellung.
Solche Beobachtungen können bei der Einordnung helfen. Sie ersetzen aber keine medizinische Abklärung, wenn die Beschwerden unklar oder bedrohlich sind.
Warum eine Ohrfeige keine geeignete Hilfe ist
Die Vorstellung, jemanden durch eine Ohrfeige aus seiner Panik zu holen, beruht vermutlich auf der Idee, dass ein starker Reiz die Situation unterbrechen könnte.
Eine Ohrfeige ist jedoch keine Erste-Hilfe-Maßnahme.
Sie verursacht unnötige Schmerzen, erschreckt die betroffene Person und kann ihr Gefühl von Bedrohung oder Kontrollverlust verstärken.
Außerdem überschreitet sie eine körperliche Grenze.
Gerade wenn ein Mensch große Angst erlebt, braucht er keine zusätzliche Bedrohung.
Kann man schon machen, ist aber nicht gerade nett und nur sehr bedingt hilfreich. Stell dir vor, du hast Platzangst und dir ist ohnehin schon alles und jeder viel zu nah. Wie würdest du dich fühlen, wenn dir in diesem Moment jemand ins Gesicht fasst oder dich schlägt?
Was er stattdessen benötigt, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen wünschen sich eine ruhige Ansprache. Andere brauchen Abstand, möglichst wenige Reize oder einfach jemanden, der in ihrer Nähe bleibt.
Deshalb ist es sinnvoll, nicht ungefragt etwas mit der Person zu machen, sondern zunächst Kontakt aufzunehmen.
Papiertüte bei Hyperventilation – grundsätzlich falsch?
Vielleicht kennst du den Ratschlag, bei Hyperventilation in eine Papiertüte zu atmen.
Dahinter steckt ein nachvollziehbarer physiologischer Gedanke: Bei einer Hyperventilation wird vermehrt Kohlendioxid abgeatmet. Durch das erneute Einatmen eines Teils der ausgeatmeten Luft soll der Kohlendioxidgehalt im Blut wieder ansteigen.
In der medizinischen Fachliteratur wird dieses Vorgehen bei gesicherter psychisch bedingter Hyperventilation teilweise als mögliche Maßnahme beschrieben.
Entscheidend ist allerdings, die Ursache der Beschwerden richtig einzuordnen.
Wenn jemand zum ersten Mal stark hyperventiliert oder die Beschwerden nicht eindeutig einordnen kann, solltest du keine Rückatmung mit einer Papiertüte anleiten.
Denn auch ernsthafte körperliche Erkrankungen können mit schneller Atmung und Atemnot einhergehen. In solchen Situationen kann die Rückatmung die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen und notwendige medizinische Hilfe verzögern.
Was ist bei Menschen mit bekannten Panikattacken anders?
Manche Menschen haben bereits mehrfach Panikattacken erlebt. Sie kennen ihre typischen Beschwerden und haben vielleicht gemeinsam mit einer behandelnden Fachperson Strategien entwickelt, die ihnen helfen.
Wenn eine solche Person ihre aktuellen Symptome wiedererkennt und selbst einschätzen kann, was gerade passiert, ist das eine wichtige Information.
Du kannst beispielsweise fragen:
- „Kennst du diese Beschwerden schon?“
- „Fühlt es sich genauso an wie bei deinen bisherigen Panikattacken?“
- und vorallem: „Was hilft dir normalerweise?“
Vielleicht möchte die Person ihre Atmung bewusst verlangsamen, eine vertraute Atemübung anwenden oder ihre Hände locker und hohl vor Mund und Nase halten.
Solche persönlichen Strategien kannst du respektieren und begleiten. Allerdings ist das Atmen in die hohlen Hände nicht als gleichwertige, wissenschaftlich gesicherte Alternative zur Papiertüte belegt. Auch eine bekannte Panikstörung macht die Rückatmung in einen Beutel nicht automatisch sicher.
Deshalb würde ich eine Papiertüte nicht als allgemeine Erste-Hilfe-Empfehlung einsetzen. Wenn die Person bereits einen individuell abgestimmten Umgang mit ihren Panikattacken hat, kannst du sie dabei unterstützen, ihre vertrauten, sicheren Bewältigungsstrategien anzuwenden.
Wichtig bleibt: Auch Menschen mit bekannten Panikattacken können einen körperlichen Notfall erleben. Neue, ungewöhnliche oder besonders ausgeprägte Beschwerden dürfen deshalb nicht vorschnell als Panik eingeordnet werden.
Bei starken Brustschmerzen, ausgeprägter Atemnot, Bewusstseinsstörungen oder anderen Hinweisen auf einen akuten medizinischen Notfall gilt: 112 anrufen.
Panikattacke oder Herzinfarkt – woran erkenne ich den Unterschied?
Das ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt.
Denn Panikattacken können Beschwerden verursachen, die denen eines Herzinfarkts oder anderer akuter Erkrankungen ähneln.
Dazu gehören insbesondere:
- Schmerzen oder Engegefühl in der Brust
- Atemnot
- Herzrasen
- Schwindel
- Übelkeit
- Schwitzen und ausgeprägte Angst
Auch bei anderen Erkrankungen, beispielsweise Herzrhythmusstörungen, Asthma, Unterzuckerung oder schweren allergischen Reaktionen, können ähnliche Symptome auftreten.
Für medizinische Laien ist eine zuverlässige Unterscheidung häufig nicht möglich.
Deshalb wäre es problematisch, jemanden mit Atemnot und Brustschmerzen einfach als „panisch“ einzustufen.
Auch wenn eine Person bereits früher Panikattacken erlebt hat, bedeutet das nicht automatisch, dass neue Beschwerden dieselbe Ursache haben.
Bei starken Brustschmerzen, ausgeprägter Atemnot, Bewusstseinsstörungen oder anderen Anzeichen eines akuten medizinischen Notfalls rufst du 112. Das gilt auch, wenn du unsicher bist, ob möglicherweise eine ernsthafte körperliche Erkrankung vorliegt.
Gerade eine erstmalige vermeintliche Panikattacke sollte ärztlich abgeklärt werden.
Erste Hilfe bei einer Panikattacke: Was kannst du tun?
Wenn du den Eindruck hast, dass jemand eine Panikattacke erlebt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Unterstützung anzubieten.
Dabei geht es nicht darum, ein bestimmtes Programm abzuarbeiten. Entscheidend ist, was die Person gerade braucht und ob möglicherweise medizinische Hilfe notwendig ist.
1. Nimm ruhig Kontakt auf
Wenn du die Person nicht kennst, stelle dich kurz vor.
Sprich ruhig, langsam und in verständlichen Sätzen.
Du kannst beispielsweise fragen:
- „Kann ich dir helfen?“
- „Kennst du diese Beschwerden schon?“
- „Gibt es etwas, das dir in solchen Situationen hilft?“
Vielleicht weiß die Person bereits, dass sie Panikattacken erlebt, und hat eigene Erfahrungen damit, was ihr hilft.
Diese Informationen können wertvoll sein. Sie ersetzen allerdings keine medizinische Einschätzung, wenn die Beschwerden unklar oder bedrohlich sind.
2. Nimm die Angst ernst
„Du brauchst doch keine Angst zu haben.“
Dieser Satz ist meist gut gemeint. Für jemanden, der gerade starke Angst empfindet, ist er aber wenig hilfreich. Denn die Angst ist in diesem Moment tatsächlich vorhanden.
Ein „Beruhig dich“ ist schnell gesagt. Ohne den Grund für die aktuelle Angst oder Panik zu kennen, bleibt es aber ziemlich oberflächlich und kann dazu führen, dass sich ein Mensch nicht ernst genommen und möglicherweise noch hilfloser fühlt.
Vielleicht ist gerade der Platzmangel das Problem, die Höhe, eine Spinne oder etwas, das durch frühere traumatische Erlebnisse getriggert wurde. Deshalb würde ich eher versuchen herauszufinden:
„Was ist gerade das größte Problem?“
Du kannst stattdessen sagen:
„Ich sehe, dass du gerade große Angst hast.“
„Ich bleibe erst einmal hier, wenn das für dich in Ordnung ist.“
Ich versuche beispielsweise: „Ich bin jetzt bei dir und passe auf dich auf. Möchtest du mich mal kurz ansehen?“ Blickkontakt kann dabei hilfreich sein – wenn er die Situation allerdings verstärkt, darf er genauso gut vermieden werden.
Auch Nähe würde ich nicht einfach voraussetzen: „Hilft es dir, wenn wir versuchen miteinander zu atmen oder wenn ich dich in den Arm nehme, deine Hand halte? Oder ist dir Abstand lieber?“
Vermeide vorschnelle Versprechen wie „Dir kann nichts passieren“, solange die Ursache der Beschwerden nicht sicher geklärt ist.
3. Achte auf die Umgebung
Viele Menschen, laute Gespräche oder hektische Bewegungen können zusätzlich belasten.
Du kannst andere Personen bitten, etwas Abstand zu halten.
Frage, ob die betroffene Person sitzen möchte oder ob ein ruhigerer Ort angenehm wäre, sofern das gefahrlos möglich ist.
Auch hier gilt: Nicht ungefragt anfassen oder die Person irgendwohin führen.
4. Biete Unterstützung bei der Atmung an
Bei einer bekannten oder medizinisch eingeordneten Panikattacke können ruhige Atemübungen hilfreich sein.
Du kannst beispielsweise anbieten, die Atmung etwas langsamer werden zu lassen und bewusst, aber ohne Anstrengung auszuatmen.
Manchen Menschen hilft eine Atemtechnik mit verlängertem Ausatmen. Andere empfinden feste Atemvorgaben oder das bewusste Beobachten ihrer Atmung als unangenehm.
Deshalb solltest du keine Atemübung erzwingen.
Vor allem gilt: Bei ungeklärter Atemnot darf eine Atemübung die medizinische Abklärung nicht ersetzen oder verzögern.
5. Hilf der Person, sich im Hier und Jetzt zu orientieren
Manchen Menschen hilft es, ihre Aufmerksamkeit auf die unmittelbare Umgebung zu richten.
Eine Möglichkeit ist die sogenannte 5-4-3-2-1-Methode.
Dabei richtet die Person ihre Aufmerksamkeit nacheinander auf:
- fünf Dinge, die sie sehen kann
- vier Dinge, die sie spüren kann
- drei Geräusche, die sie hören kann
- zwei Gerüche, die sie wahrnehmen kann
- eine Sache, die sie schmecken kann
Es geht dabei nicht darum, eine Aufgabe möglichst vollständig oder richtig zu lösen.
Die Übung soll helfen, die Aufmerksamkeit auf konkrete Wahrnehmungen in der Gegenwart zu lenken.
Wenn die Person das nicht möchte oder die Übung als belastend empfindet, ist das völlig in Ordnung.
6. Weitere Möglichkeiten: Muskelentspannung und Sinnesreize
Auch bewusstes Anspannen und anschließendes Entspannen einzelner Muskelgruppen kann manchen Betroffenen helfen.
Andere nutzen einen kühlen Gegenstand oder einen deutlich wahrnehmbaren Geschmack, um ihre Aufmerksamkeit umzulenken.
Solche Techniken sollten als freiwillige Möglichkeiten verstanden werden. Nicht jeder Mensch reagiert gleich darauf.
Eine plötzlich aufgedrängte Berührung oder ein unerwarteter Kältereiz ist keine geeignete Hilfe.
7. Bleibe aufmerksam
Auch wenn sich die Beschwerden zunächst bessern, ist es sinnvoll, nachzufragen, wie es der Person geht.
Wenn sie zunehmend benommen wirkt, das Bewusstsein verliert oder andere bedrohliche Symptome auftreten, musst du entsprechend den Regeln der körperlichen Ersten Hilfe handeln.
Bei Bewusstlosigkeit prüfst du die normale Atmung, rufst den Notruf 112 und leitest abhängig vom Ergebnis der Atemkontrolle die erforderlichen Erste-Hilfe-Maßnahmen – Seitenlage oder Wiederbelebung – ein.
Was ist nach einer Panikattacke wichtig?
Wenn die akuten Beschwerden nachlassen, ist die Situation für die betroffene Person nicht unbedingt sofort wieder normal.
Vielleicht ist sie erschöpft. Vielleicht schämt sie sich für das, was passiert ist. Vielleicht hat sie Angst, dass es erneut geschieht.
Du kannst fragen, ob sie noch Unterstützung benötigt.
Vielleicht möchte sie jemanden verständigen oder braucht etwas Zeit, bevor sie ihren Alltag fortsetzt.
Es ist nicht notwendig, die Situation ausführlich zu analysieren oder nach möglichen persönlichen Ursachen zu fragen.
Manchmal ist es hilfreicher, einfach zuzuhören.
Wenn Panikattacken wiederholt auftreten, den Alltag beeinträchtigen oder dazu führen, dass bestimmte Orte und Situationen gemieden werden, ist professionelle Unterstützung sinnvoll.
Panikattacken und Panikstörungen sind behandelbar. Insbesondere psychotherapeutische Verfahren können Betroffenen helfen, ihre Beschwerden besser zu verstehen und mit ihnen umzugehen.
Ist eine Panikattacke bereits eine psychische Erkrankung?
Nein.
Eine einzelne Panikattacke bedeutet nicht automatisch, dass jemand eine psychische Erkrankung hat.
Von einer Panikstörung kann gesprochen werden, wenn wiederholt unerwartete Panikattacken auftreten und weitere Kriterien erfüllt sind – beispielsweise anhaltende Sorgen vor neuen Attacken oder deutliche Veränderungen des Verhaltens.
Manche Menschen beginnen dann, bestimmte Situationen zu vermeiden, weil sie fürchten, dort erneut eine Panikattacke zu erleben.
Ob eine behandlungsbedürftige Störung vorliegt, gehört in die fachliche Diagnostik.
Für Menschen im Umfeld ist vor allem wichtig, Beschwerden ernst zu nehmen und bei Bedarf Unterstützung auf dem Weg zu professioneller Hilfe anzubieten.
Gute Hilfe beginnt nicht immer sofort mit Maßnahmen
Wenn ein Mensch plötzlich heftig atmet, zittert oder Angst hat, möchten wir häufig möglichst schnell etwas tun.
Das ist verständlich.
Doch nicht jede Handlung ist hilfreich. Eine Ohrfeige, eine unüberlegte Rückatmung in die Papiertüte oder die Aufforderung, sich zusammenzureißen, gehören nicht zu einer guten Unterstützung.
Oft ist zunächst etwas anderes gefragt: aufmerksam hinschauen, ruhig Kontakt aufnehmen, zuhören und die Bedürfnisse der betroffenen Person berücksichtigen.
Dazu gehört auch, die eigenen Grenzen zu kennen.
Du musst nicht allein entscheiden, ob jemand eine Panikattacke oder einen körperlichen Notfall erlebt. Bei unklaren oder bedrohlichen Beschwerden darfst und sollst du medizinische Hilfe hinzuziehen.
Und wenn die Situation tatsächlich eine Panikattacke ist, kannst du mit einer ruhigen, respektvollen Begleitung viel dazu beitragen, dass sich die Person nicht zusätzlich allein oder ausgeliefert fühlt.
Denn auch bei psychischen Krisen gilt: Gute Hilfe geschieht gemeinsam mit dem betroffenen Menschen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Universitätsklinikum Freiburg (2026): Panikattacken: Wenn der Körper Alarm schlägt. Beitrag vom 08.06.2026.
- MHFA Ersthelfer (2020): Richtlinien zum Umgang mit Panikattacken. Angepasst nach Mental Health First Aid Australia (2008).
- Kelly, C. M., Jorm, A. F. & Kitchener, B. A. (2009): Development of mental health first aid guidelines for panic attacks: A Delphi study. BMC Psychiatry, 9, 49. https://doi.org/10.1186/1471-244X-9-49
- Römer, S. & Küpper, S. (2025): Hyperventilation. AINS Notfallmedizin. Letzte Aktualisierung: 12.08.2025.
Dieser Beitrag vermittelt allgemeines Gesundheitswissen und Hinweise zur Ersten Hilfe. Er ersetzt keine individuelle medizinische Diagnostik oder Behandlung.
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