Wie motiviere ich Mitarbeitende, Ersthelfer zu werden? – So gewinnt ihr engagierte Ersthelfer im Betrieb

„Wir finden kaum jemanden, der Ersthelfer werden will …!“

Diesen Satz höre ich regelmäßig von Verantwortlichen. Meist fällt er mit einem Schulterzucken oder einem Seufzer – als ließe sich das Thema damit abhaken.

Dabei stellt sich eine andere Frage: Warum ist es für manche Unternehmen so schwierig, Ersthelfer zu gewinnen? Drücken sich Mitarbeitende wirklich vor Verantwortung? Oder sind es eher die Rahmenbedingungen, die Motivation im Keim ersticken?

Wenn ich mit Mitarbeitenden rede, sieht das Bild oft ganz anders aus.

Dann fallen Sätze wie: „Das Thema ist ja schon wichtig, aber ….“

  • „Der Kurs läuft bei uns immer samstags.“
  • „Wir fahren erst mal eine Stunde quer durchs Land.“
  • Nachtschichtler stöhnen: „8:30 bis 16:30 Uhr – das ist echt die Hölle.“
  • Klassiker: „Acht Stunden Vortrag ohne Bezug zu unserem Job.“

Und im Ernstfall herrscht oft Unsicherheit: Darf ich überhaupt eingreifen? Muss ich mich beim Chef rechtfertigen, wenn ich den Rettungsdienst rufe?

Unter solchen Bedingungen meldet sich kaum jemand freiwillig.



Verantwortung übernehmen Menschen gerne – wenn man sie lässt

Die meisten Mitarbeitenden wollen Verantwortung übernehmen. Viele hätten richtig Lust, im Ernstfall souverän und sicher zu handeln.

Was sie ausbremst, sind komplizierte Abläufe, unklare Zuständigkeiten und Schulungen, die wie ein Pflichttermin ohne echten Mehrwert wirken. Acht Stunden Frontalvortrag, null Praxisbezug – da sinkt die Motivation schneller als der Blutzucker vorm Mittagessen.

Wer Inhalte praxisnah erlebt, bleibt aufmerksam. Wer übt, gewinnt Sicherheit. Wer Sicherheit spürt, übernimmt Verantwortung – und genau das wollen wir erreichen.

Wer Ersthelfer gewinnen möchte, sollte deshalb nicht zuerst fragen, warum sich niemand meldet, sondern welche Bedingungen Mitarbeitende vorfinden, wenn sie sich für diese Aufgabe interessieren.


Ersthelfer gewinnen: Die Kursplanung macht den Unterschied

Die Organisation entscheidet maßgeblich darüber, ob ein Kurs als lästige Pflicht oder als echte Kompetenz wahrgenommen wird.

Schulungen während der Arbeitszeit:
In der jeweiligen Schicht, nicht am Wochenende. Wer Engagement erwartet, sollte Zeit dafür freiräumen.

Inhouse-Trainings erhöhen Relevanz und Akzeptanz:
Kurze Wege, vertraute Umgebung und praxisnahe Szenarien. Was passiert bei uns in der Werkhalle, im Labor oder im Büro? Sobald Inhalte greifbar werden, steigt die Aufmerksamkeit sofort.

Freiwilligkeit stärken:
Wer sich bewusst entscheidet, bringt Motivation und Verantwortungsbewusstsein mit. Außerdem wirkt Erste-Hilfe-Kompetenz weit über den Betrieb hinaus – in der Familie, beim Sport oder auf der Straße.

Rahmenbedingungen signalisieren Wertschätzung:
Kaffee, Getränke, vielleicht eine Brezel oder ein gemeinsames Mittagessen. Solche Details zeigen: Diese Rolle ist wichtig – und fördern nebenbei den Austausch zwischen Abteilungen.

Checkliste: So könnt ihr Mitarbeiter als Ersthelfer gewinnen.

Die richtige Anbieterauswahl: Qualität entscheidet

Die Organisation allein sagt noch nichts über die Kursqualität aus. Entscheidend ist, wer vor der Gruppe steht und wie gearbeitet wird.

Praxisnahe Qualifikation des Ausbilders:
Hat die Person Erfahrung im Rettungs- oder Sanitätsdienst? Steht sie noch regelmäßig im Einsatz?
Denn Praxiserfahrung schlägt PowerPoint – jedes Mal.

Didaktik und Aktivierung:
Hoher Praxisanteil, reale Fallbeispiele und Übungen mit Bezug zum eigenen Betrieb verankern Wissen besser als reine Theorie.

Betriebs- und Branchenbezug:
Ein Anbieter sollte vorab wissen, welche Tätigkeiten und Risiken in eurem Betrieb bestehen. Standardprogramme von der Stange bleiben oberflächlich.

Organisation & Verlässlichkeit:
Klare Kommunikation, transparente Abläufe und Unterstützung bei der Dokumentation entlasten das Unternehmen spürbar.

Haltung zur Handlungssicherheit:
Ein guter Ausbilder vermittelt klar: Ersthelfende dürfen und sollen helfen und sie sind bei ihrer Hilfeleistung grundsätzlich geschützt, wenn sie nach bestem Wissen und ihren Möglichkeiten handeln.

Wer einen passenden Ausbildungsbetrieb sucht, sollte nicht nur auf Termin und Preis achten, sondern auch darauf, ob der Anbieter für die Ausbildung betrieblicher Ersthelfer ermächtigt ist. Eine Übersicht der zugelassenen Ausbildungsstellen finden Sie in der offiziellen Liste der Qualitätssicherungsstelle Erste Hilfe (QSEH). Dort können Sie unabhängig prüfen, welche Ausbildungsstellen für die betriebliche Erste-Hilfe-Ausbildung anerkannt sind.


Auf einen Blick: So wählt ihr Ersthelfer im Betrieb aus

Freiwilligkeit:
Wer sich bewusst entscheidet, bringt Engagement und Verantwortungsbewusstsein mit.

Aktives Zuhören:
Pflegeerfahrung, sportliche Aktivität oder persönliche Nähe zu Unfallsituationen zeigen oft besonderes Engagement. Auch kürzlich erlebte Unfälle in der Abteilung können Motivation auslösen.

Erwartungen klären:
Offene Gespräche über Aufgaben, Unterstützung und Zeitaufwand verhindern spätere Frustration.

Sinnvolle Verteilung im Betrieb:
Ersthelfende sollten über Schichten, Abteilungen und Standorte verteilt sein, damit überall Kompetenz vorhanden ist.

Rückendeckung durch das Unternehmen:
Klare Regelungen und Unterstützung durch die Führung zeigen: Ihr Engagement ist gewollt und geschützt.

Sinnvolle Verteilung im Betrieb:
Ersthelfende sollten über Schichten, Abteilungen und Standorte verteilt sein, damit überall Kompetenz vorhanden ist. Gerade bei Homeoffice, Schichtarbeit oder mehreren Standorten reicht es nicht, nur genügend Personen auszubilden. Entscheidend ist auch, ob die Ersthelfenden tatsächlich dort verfügbar sind, wo sie gebraucht werden. Wie ihr diese Verfügbarkeit im Arbeitsalltag plant, zeige ich im Beitrag „Ersthelfer bei Homeoffice, Schichtarbeit, Urlaub und Krankheit richtig planen“.


Worst Case: Wenn sich niemand findet

Manche Betriebe reagieren verzweifelt:

„Keiner will? Dann lassen wir es halt bleiben.“

Das ist keine Lösung. Betriebe müssen dafür sorgen, dass die nach den geltenden Vorgaben erforderliche Zahl an Ersthelfenden zur Verfügung steht.

Andere versuchen es mit Zwang:

„Okay, wir nehmen jetzt einfach jede zehnte Person von der Liste und verpflichten sie zum Kurs.“

Formal mag damit zunächst eine Besetzung erreicht werden – motivatorisch ist es trotzdem ein Flop: Wer nur gezwungen wird, erlebt die Schulung schnell als lästige Pflicht. Innere Ablehnung erschwert das Lernen und im Ernstfall fehlt womöglich genau die Handlungssicherheit, die eigentlich entstehen sollte.

Die Lösung liegt dazwischen: Rahmenbedingungen schaffen, die Mitarbeitende freiwillig motivieren.

Schulungen in der Arbeitszeit, praxisnahe Inhalte, erfahrene Ausbilder und Wertschätzung erzeugen echtes Engagement.

So lassen sich Ersthelfer gewinnen, die im Ernstfall nicht nur auf einer Liste stehen, sondern auch handlungsfähig sind – und die Sicherheit im Betrieb spürbar erhöhen.


Perspektivwechsel statt Schulterzucken

Vielleicht liegt das Problem gar nicht bei den Mitarbeitenden, sondern darin, wie wir das Thema angehen.

Ersthelfende sind keine Lückenfüller – sie sind zentrale Vertrauenspersonen im Notfall.

Wer gute Bedingungen schafft, Qualität auswählt und Menschen ernst nimmt, erlebt oft etwas Überraschendes:

Die Bereitschaft wächst von selbst.

Dann lautet der Satz plötzlich nicht mehr:

„Wir finden niemanden.“

Sondern:

„Wir haben engagierte Ersthelfende, auf die wir uns verlassen können.“


Ich helfe euch, wenn die Motivation für Ersthelfer:innen stockt

Wenn ihr gerade Schwierigkeiten habt, Mitarbeitende für die Aufgabe als Ersthelfer zu gewinnen – sei es bei der Kursausschreibung, der Terminplanung oder beim praktischen Ablauf – helfe ich euch gerne.

Gemeinsam schauen wir, wie ihr Rahmenbedingungen schaffen könnt, die freiwillige Teilnahme fördern, Motivation stärken und echte Handlungssicherheit im Betrieb ermöglichen.

So wird Erste Hilfe nicht zum Pflichttermin, sondern zu einer Kompetenz, von der das ganze Unternehmen profitiert.


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